Die Endung ist nur ein Etikett
Eine Dateiendung beschreibt zunächst nur die erwartete Verwendung. Sie lässt sich ändern, ohne dass sich der Inhalt ändert. Aus einer Bilddatei wird durch das Umbenennen also kein Textdokument. Umgekehrt kann eine Datei mit einer falschen oder fehlenden Endung durchaus lesbaren Text enthalten. Betriebssysteme und Programme orientieren sich jedoch oft an diesem Etikett und öffnen deshalb das falsche Werkzeug oder verweigern den Zugriff.
Der erste Blick gilt dem Rohinhalt
Weil viele den Blick in Dateien aus Bequemlichkeit überspringen, lässt sich mit FlinkTools rasch prüfen, ob zwischen den unscheinbaren Zeichen überhaupt zusammenhängender Text steckt. Öffnen Sie die Datei dafür nicht vorschnell in einem Schreibprogramm, sondern kopieren Sie zunächst eine Arbeitskopie. Ein einfacher Texteditor zeigt bei einer echten Textdatei häufig Wörter, Zeilenumbrüche und erkennbare Satzzeichen. Erscheinen dagegen nur wirre Symbole, sehr viele nicht druckbare Zeichen oder lange gleichförmige Folgen, ist das ein Hinweis auf eine andere Datenart, eine beschädigte Datei oder eine unpassende Kodierung.
Was ein Rohblick verrät
Textdateien bestehen aus Bytefolgen, die ein Programm nach bestimmten Regeln als Zeichen deutet. Am Anfang können Kennungen stehen, die auf ein bestimmtes Format hinweisen. Auch lesbare Namen mitten in einer ansonsten unverständlichen Datei sind kein sicherer Beweis für einen Textinhalt: Viele Bild-, Audio- und Archivformate enthalten eingebettete Beschriftungen, Dateinamen oder Vorschaudaten. Entscheidend ist, ob der Inhalt über längere Strecken sinnvoll gegliedert ist und sich mit derselben Zeichenkodierung ohne massenhafte Ersatzzeichen lesen lässt.
Falsche Kodierung oder kaputter Inhalt?
Ein typischer Fehler liegt nicht im Text selbst, sondern in der Deutung seiner Bytes. Dann werden deutsche Umlaute, Anführungszeichen oder andere Zeichen falsch dargestellt, während der übrige Satz erkennbar bleibt. Ein Wechsel der im Editor gewählten Kodierung kann das klären, sollte aber an einer Kopie erfolgen. Sind dagegen auch Leerzeichen, Zeilenumbrüche und gewöhnliche Buchstaben wahllos beschädigt, spricht mehr für einen Binärinhalt oder eine beschädigte Datei. Das blosse Umbenennen der Endung repariert keinen dieser Fehler.
Text, Tabelle, Archiv oder Bild?
Manche Dateien enthalten Text, sind aber nicht als offene Textdateien gedacht. Eine Tabellen- oder Textverarbeitungsdatei kann aus vielen Einzelteilen bestehen, darunter Formatierungen und eingebettete Bilder. Ein Archiv kann wiederum eine Textdatei enthalten, ohne selbst wie Text lesbar zu sein. Bei einem PDF hängt die Auslesbarkeit davon ab, ob tatsächlich Zeichen gespeichert wurden oder nur eine gescannte Bildseite. Ein Programm, das die Datei nicht öffnet, beweist deshalb weder, dass kein Text vorhanden ist, noch dass der Text ohne Weiteres bearbeitet werden kann.
Ein vorsichtiger Prüfablauf
- Erstellen Sie eine Kopie und lassen Sie die ursprüngliche Datei unverändert.
- Prüfen Sie Dateiname, Endung, Speicherort und Herkunft auf Tippfehler oder falsche Zuordnung.
- Öffnen Sie die Kopie in einem einfachen Texteditor und achten Sie auf Wörter, Zeilenumbrüche und wiederkehrende Muster.
- Wählen Sie bei teilweise lesbarem Inhalt probeweise eine andere Zeichenkodierung.
- Bleibt der Inhalt unverständlich, verwenden Sie ein Programm für das vermutete Format statt eines beliebigen Schreibprogramms.
- Bei unbekannter Herkunft öffnen Sie die Datei nicht unbedacht und lassen Sie sie gegebenenfalls prüfen.
Wann der Rohblick nicht genügt
Ein lesbarer Ausschnitt sagt noch nichts darüber aus, ob eine Datei vollständig, unverfälscht oder sicher ist. Ein manipuliertes Dokument kann wie gewöhnlicher Text aussehen, und eine scheinbar leere Datei kann Text in einem eingebetteten Teil enthalten. Fehlen wichtige Abschnitte, stimmen Dateigrösse und erwarteter Inhalt nicht überein oder stammt die Datei aus einer unsicheren Quelle, ist ein Fachprogramm oder eine fachkundige Prüfung sinnvoll. Erst wenn Inhalt, Format und Kodierung zusammenpassen, lässt sich belastbar sagen, dass eine Datei Text enthält.